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    Alkohol in der Schwangerschaft – Folgen fürs Kind

    Alkohol entspannt, beschwingt und macht gute Laune. Doch in der Schwangerschaft ist er tabu. Oder? Viele werdende Mütter sind sich unsicher und trinken in der Schwangerschaft einfach weiter. Mit dem traurigen Ergebnis, dass das Fetale Alkoholsyndrom (FAS) die häufigste angeborene Kinderkrankheit ist.

    Welche dramatischen Folgen Alkoholkonsum in der Schwangerschaft haben kann, verraten wir Dir im folgenden Beitrag.

    Warum kann Alkohol dem Baby schaden?

    Leider bleibt der Alkohol nach dem vermeintlich harmlosen Glas Wein nicht nur auf den mütterlichen Körper beschränkt. Über die Plazenta findet er schnell den Weg zum Embryo – und liegt dann in dessen Blut fast in der gleichen Konzentration vor. Was wir gern vergessen: Alkohol ist ein Zellgift, das mühsam von der Leber abgebaut werden muss. Das Ungeborene verfügt aber noch nicht über diese Abbaumechanismen.

    Zum einen ist seine Leber noch nicht ausgereift, zum anderen werden die dafür notwendigen Enzyme erst nach dessen Geburt gebildet. Die Folge: Der Alkohol zirkuliert lange im Körper des ungeborenen Kindes – viele Stunden länger als im mütterlichen.

    Dadurch hat der Alkohol viel Zeit, Schäden im kindlichen Körper anzurichten. Schäden, die nie mehr rückgängig zu machen sind und die kein Therapeut beheben kann. Vor allem das kindliche Gehirn und Nervensystem sind anfällig für Schädigungen durch Alkohol, weshalb 90 % der alkoholgeschädigten Kinder Beeinträchtigungen im geistigen Bereich haben. Aber auch das Herz sowie die Nieren können durch den Alkohol geschädigt werden.

    Alkohol in der Schwangerschaft – Wieviel ist erlaubt?

    Da Geburtsmediziner nicht sagen können, ab welcher Menge Alkohol Schäden beim ungeborenen Baby zu erwarten sind, vertreten sie den Standpunkt: 0 Promille in der Schwangerschaft. Tatsächlich konnte man in Untersuchungen geschädigte Kinder finden, deren Mütter in der Schwangerschaft lediglich kleine Mengen Alkohol getrunken hatten.

    Andere Babys wiederum gingen völlig unbeschadet aus einer Schwangerschaft hervor, in der die Mutter moderat aber stetig Alkohol konsumiert hatte. Hier scheinen auch noch andere Faktoren eine Rolle zu spielen, so zum Beispiel die Ernährung der Mutter, die genetische Ausstattung von Mutter und Kind oder das Alter der Mutter.

    Da niemand mit Gewissheit sagen kann, bei welchem Kind Schäden schon bei einer kleinen Menge Alkohol auftreten werden, ist unsere Empfehlung: Finger weg vom Alkohol! Idealerweise ab dem Zeitpunkt, an dem Du von Deiner Schwangerschaft erfährst.

    Folgen von Alkohol in der Schwangerschaft: Fetale Alkoholspektrum-Störungen

    Alkoholkonsum in der Schwangerschaft kann beim Kind zu einer Reihe von Schädigungen führen, die unter der Bezeichnung „Fetale Alkoholspektrum-Störungen“, kurz FASD, zusammengefasst werden. Das „Spektrum“ weist darauf hin, dass die Schäden in der Intensität und Ausprägung von Kind zu Kind variieren können.

    Die Folgen von Alkohol in der Schwangerschaft können sein:

    • Körperliche Fehlbildungen (z.B. an den Organen)
    • Bestimmte Gesichtsmerkmale
    • Niedriges Geburtsgewicht
    • Geringe Körpergröße
    • Kleiner Kopf und kleines Gehirn
    • Geistige Behinderungen
    • Kognitive Beeinträchtigungen (Lernschwierigkeiten, Konzentrationsprobleme)
    • Entwicklungsstörungen
    • Verminderte Intelligenz
    • Verhaltensauffälligkeiten (z.B. Hyperaktivität, Probleme im sozialen Miteinander)
    • Fehlgeburt

    Fehlbildungen durch Alkoholkonsum der Mutter in der Schwangerschaft

    Trinkt eine werdende Mutter in den ersten Wochen der Schwangerschaft Alkohol, kann sich das in körperlichen Fehlbildungen des Kindes niederschlagen. Denn von der 3. bis etwa zur 10. Schwangerschaftswoche findet die Entwicklung des Embryos mit der Ausbildung der Organe statt. Der schädigende Einfluss von Alkohol zeigt sich beim ungeborenen Kind dann in Form von Missbildungen von Organen und damit einhergehenden Fehlfunktionen.

    Obwohl im Grunde jedes Organ geschädigt werden kann, treten bei alkoholgeschädigten Kindern besonders oft Schädigungen des Gehirns und Nervensystems, Herzfehler oder Schädigungen der Nieren auf.

    Die Schäden an Gehirn und Nervensystem zeigen sich beim Kind als neurologische Störungen, also in Form von Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität und Konzentrationsschwäche. Neurologische Schädigungen sind unter FASD-Kindern die häufigste Störung.

    In schweren Fällen richtet der Alkohol einen so schweren Schaden an, dass er beim ungeborenen Kind zu geistigen Behinderungen führt. Oft erkennt der Körper der Mutter Fehlbildungen am Embryo und leitet dann eine Fehlgeburt ein.

    Varianten des Spektrums

    Das Fetale Alkoholsyndrom (FAS)

    Das Fetale Alkoholsyndrom (FAS) ist die extremste Ausprägung im Spektrum alkoholbedingter Schädigungen beim Baby. Es wird vor allem bei Kindern alkoholkranker Mütter diagnostiziert. Fachärzte erkennen das Fetale Alkoholsyndrom bereits äußerlich. So weisen betroffene Kinder nicht nur bereits genannte körperliche und kognitive Beeinträchtigungen wie ein geringeres Geburtsgewicht auf. Sie zeigen auch ganz typische Auffälligkeiten im Gesicht. Dazu gehören:

    • Ein flaches Gesicht
    • Eine kurze, flache Nase
    • Herabhängende Augenlider
    • Hautfalte am inneren Augenwinkel
    • Tief ansetzende Ohren
    • Eine dünne Oberlippe
    • Nicht ausgebildete Falten zwischen Nase und Lippe

    Das partielle Fetale Alkoholsyndrom (pFAS)

    Sind bei Kindern, die in ihrer frühen Entwicklung im Bauch der Mutter durch Alkoholkonsum geschädigt wurden, keine typischen Gesichtsmerkmale zu erkennen, sprechen Ärzte vom partiellen Fetalen Alkoholsyndrom (pFAS).

    Diese Variante ist eine leicht abgeschwächte Version des voll ausgeprägten Krankheitsbildes. Hier fehlen zwar die typischen Auffälligkeiten im Gesicht, aber alle anderen Symptome wie die kognitiven Beeinträchtigungen sind ebenso stark ausgeprägt wie beim Vollbild.

    Alkoholbedingte neurologische Entwicklungsstörungen (ARND)

    Bei den alkoholbedingten neurologischen Entwicklungsstörungen handelt es sich um eine weitere Variante des Spektrums. Hier weist das Kind neurologische Auffälligkeiten auf. Der Alkohol hat das Nervensystem beim Kind derart geschädigt, dass es in seiner Entwicklung hinterherhinkt oder es kognitive Defizite hat, die zu besonderen Verhaltensweisen führen. So können Sprach- und Hörstörungen, Lernprobleme, Hyperaktivität oder Aggressivität im Umgang mit Mitmenschen auftreten.

    Auch ist bei Kindern mit ARND die Intelligenz gemindert. Körperliche Auffälligkeiten wie ein zu geringes Gewicht oder die typischen Gesichtsmerkmale kommen bei dieser Variante hingegen nicht vor.

    Ich habe in der frühen Schwangerschaft Alkohol getrunken – Schadet das meinem Kind?

    Manch eine schwangere Frau hat vor den ersten Schwangerschaftssymptomen noch Alkohol getrunken. Hält sie dann den positiven Schwangerschaftstest in der Hand, ist die Angst groß. Sie fragt sich: „Ist mein Kind geschädigt?“

    Zur Beruhigung: In den ersten beiden Wochen nach der Befruchtung gilt das „Alles-oder-nichts-Prinzip“. Entweder die befruchtete Eizelle wurde durch den Alkohol nicht beschädigt, teilt sich mehrfach und nistet sich dann normal in die Gebärmutterschleimhaut ein oder sie wurde durch den Alkohol geschädigt. Kann der Körper die geschädigten Zellen nicht reparieren, geht der Embryo oft schon in der Frühschwangerschaft ab. Meist bemerken betroffene Frauen gar nicht, dass sie schwanger waren, weil die Abbruchblutung mit der nächsten fälligen Periode zusammengefallen ist.

    Anders sieht es ab der 5. Woche aus. Denn dann setzt die Entwicklung der Organe ein. Ab diesem Zeitpunkt können durch Alkohol geschädigte Zellen nicht mehr ausgetauscht werden. Führt die Mutter ihren Alkoholkonsum in der weiteren Schwangerschaft regelmäßig fort, besteht ein großes Risiko für lebenslange Schäden beim Kind.

    Vor allem in der Zeit bis zur 10. oder 12. Woche ist das ungeborene Baby anfällig für Schädigungen. Denn in der frühen Schwangerschaft bilden sich die Organe aus. Dabei entstehen viele neue Zellen. Alkohol hemmt die Zellbildung, sodass sich Gewebe fehlerhaft entwickeln kann.

    Alkohol in der Schwangerschaft – Folgen für das Baby

    Ein in der Schwangerschaft durch Alkohol geschädigtes FASD-Baby fällt oft dadurch auf, dass es:

    • Deutlich unruhiger und reizbarer ist als normale Kinder
    • Trinkprobleme hat
    • Schlafprobleme hat

    Alkohol in der Schwangerschaft – Folgen fürs Kind

    In der Kindheit fallen FASD-Betroffene oft auf durch:

    • Konzentrationsschwäche
    • Lernprobleme
    • Räumliche Desorientiertheit
    • Unterdurchschnittliche Intelligenz
    • Probleme in der Planung eigener Handlungen
    • Probleme im Erkennen von Ursache und Wirkung
    • Probleme im sozialen Miteinander

    Da FASD in der Praxis oft fälschlicherweise als ADHS (der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) diagnostiziert wird, wird die Erkrankung bei vielen Kindern gar nicht erkannt. In der Tat ähneln sich die Symptome beider Erkrankungen sehr.

    Alkohol in der Schwangerschaft – Folgen im Jugendalter

    Tritt ein FASD-Kind ins Jugendalter ein, fällt es häufig auf durch:

    • Aggressives Verhalten
    • Lernschwierigkeiten
    • Eine Depression und sozialen Rückzug
    • Eine Außenseiterposition
    • Überschreitungen von Grenzen: Diebstahl, gewaltsame Auseinandersetzungen, etc.

    Alkohol in der Schwangerschaft – Folgen im Erwachsenenalter

    Im Erwachsenenalter kommen viele FASD-Betroffene aufgrund ihrer kognitiven Probleme nicht allein zurecht und müssen betreut werden. Laut FASD-Zentrum der Charité Berlin sind 80 % von ihnen arbeitslos. Betroffene Erwachsene:

    • Sind leicht lenkbar
    • Reagieren schnell gereizt oder wütend
    • Leiden unter Schlafstörungen
    • Haben Probleme, Regeln einzuhalten (z.B. Einhalten von Terminen)
    • Haben Probleme, Medikamente regelmäßig zu nehmen
    • Können schlecht mit Geld umgehen
    • Können sich schlecht mit sich selbst beschäftigen
    • Geraten in Beziehungen schnell in Abhängigkeit (Beziehungen sind oft von Gewalt geprägt)
    • Fühlen sich schnell überlastet (z.B. bei neuen Aufgaben)
    • Haben ein erhöhtes Risiko für Suchterkrankungen (Alkoholsucht)
    • Haben ein erhöhtes Risiko für Depression, Angststörungen, Suizidgedanken

    Wie viele schwangere Frauen trinken Alkohol?

    Hättest Du gedacht, dass jede 5. Frau während der Schwangerschaft Alkohol trinkt? Zwar nur moderat, aber dennoch. Diesen doch sehr erschreckenden Umstand brachte kürzlich eine Studie des Robert-Koch-Instituts ans Licht. Offenbar wissen viele Frauen noch immer nicht um die Gefahren von Alkohol – auch bei einem geringen Konsum. Es hält sich weiterhin hartnäckig die Meinung, dass ein Glas Sekt gegen Müdigkeit helfe und dem Baby doch nicht schaden könne.

    8 % der schwangeren Frauen trinken sogar bedenkliche Mengen in der Schwangerschaft, die schon für Nicht-Schwangere ein gesundheitliches Risiko darstellen.

    Wie viele Kinder sind von Schädigungen durch Alkohol betroffen?

    Laut einer Studie sollen 2014 deutschlandweit etwa 12.500 Babys mit Auffälligkeiten aus dem Bereich der Fetalen Alkoholspektrum-Störungen geboren worden sein. Von ihnen waren etwa 3000 Säuglinge von der extremsten Variante – also dem Fetalen Alkoholsyndrom (FAS) – betroffen.

    Darf ich in der Schwangerschaft alkoholfreie Getränke trinken?

    Obwohl sie einen Restalkoholgehalt aufweisen, stellen alkoholfreie Getränke in der Schwangerschaft wahrscheinlich kein Problem dar – vorausgesetzt Du trinkst sie gelegentlich und in Maßen. Dennoch empfehlen wir Dir hier kein Risiko einzugehen und Verzicht zu üben.

    Wenn Du auf alkoholfreie Getränke wie alkoholfreies Bier oder alkoholfreien Sekt nicht verzichten willst, kaufe Produkte mit der Kennzeichnung „0,0 Prozent Alkohol“. In der Regel findest Du diese Information auf der Flasche.

    Ist Alkohol in der Stillzeit erlaubt?

    Es ist erwiesen, dass der Alkohol über die Muttermilch auf das Baby übergeht, wenn es gestillt wird. Allerdings bekommt das Baby beim Stillen deutlich weniger Alkohol ab, als wenn ein Embryo im Bauch „mittrinkt“. Demzufolge gehen Forscher davon aus, dass auch die Schäden beim Kind durch Alkoholkonsum in der Stillzeit nicht so groß sind.

    Dennoch kann Alkohol Deinem Baby auch in der Stillzeit gefährlich werden, weshalb Experten auch zu einem vollständigen Verzicht raten. Denn auch ein Baby verfügt noch nicht über die Mechanismen eines Erwachsenen, um den Alkohol schnell abzubauen.

    Wenn das Gift länger im Körper des Babys verbleibt, ist es nicht auszuschließen, dass es dort auch Schaden anrichtet. Außerdem kann Alkohol dazu beitragen, dass die Milchbildung gehemmt wird. Dann hast Du unter Umständen zu wenig Milch, um Dein Kleines zu versorgen.

    Wenn Du nicht auf gelegentliche Glas Sekt verzichten kannst, solltest Du kurz vorher Dein Baby stillen und dann einige Stunden mit der nächsten Stillmahlzeit warten. Dann hat sich der Alkohol in Deinem Körper zum Teil schon verflüchtigt.

    Folgen von Alkohol in der Stillzeit

    In einigen Forschungsarbeiten wurden die Folgen des Alkoholkonsums in der Stillzeit für Babys untersucht. Demnach:

    • Schlafen sie schlechter und weniger tief
    • Wachen häufiger auf
    • Haben sie ein erhöhtes Risiko für eine Suchterkrankung im Erwachsenenalter (durch frühe Gewöhnung an den Alkohol)

    Wie sieht eine Therapie für FASD-Kinder aus?

    Da die Fetalen Alkoholspektrum-Störungen auf Schädigungen während der frühen Entwicklung des Embryos zurückzuführen sind, gibt es keine Therapie, die diese Behinderung heilen kann. Allerdings können durch gezielte therapeutische Konzepte die Symptome abgeschwächt werden, sodass die Betroffenen besser mit ihrer Erkrankung zurechtkommen.

    Besonders in den Teilbereichen Motorik, Sprache und Verhalten lassen sich durch geeignete Ansätze Verbesserungen erzielen. Außerdem helfen einem betroffenen Kind die Lebensumstände: Wächst ein FASD-Kind in einem stabilen, liebevollen und nachsichtigen Umfeld auf, entwickelt es sich besser als unter ungünstigen Bedingungen.